
Gut begleitet - bei allen Fragen zur Kindergesundheit
Typ 1 Diabetes Früherkennung - gemeinsam gut informiert entscheiden
Früherkennung im Rahmen der Fr1da-Studie - jetzt auch in unserer Praxis.
Ab sofort können Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren in unserer Praxis kostenlos an der Fr1da-Studie zur Früherkennung des Typ-1-Diabetes teilnehmen.
Mit einem einfachen Bluttest lässt sich die Erkrankung häufig bereits Jahre vor dem Auftreten erster Beschwerden erkennen. Das eröffnet neue Möglichkeiten der medizinischen Betreuung und seit Kurzem auch der Behandlung.
Gleichzeitig wirft die Früherkennung wichtige Fragen auf: Was bedeutet ein positives Testergebnis für mein Kind und unsere Familie? Welche Vorteile bietet es, frühzeitig von der Erkrankung zu wissen? Und möchte ich dieses Wissen überhaupt haben?
Wir möchten Sie umfassend informieren und gemeinsam mit Ihnen entscheiden, ob die Teilnahme an der Fr1da-Studie für Ihr Kind und Ihre Familie der richtige Weg ist.
Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um sich mit den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen der Früherkennung vertraut zu machen. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, sprechen Sie uns gerne an – wir beraten Sie persönlich und ergebnisoffen.
Was ist Typ-1-Diabetes mellitus eigentlich?
Typ-1-Diabetes mellitus ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und nach und nach zerstört. Dadurch kann der Körper irgendwann nicht mehr ausreichend Insulin produzieren.
Insulin wird benötigt, damit der Zucker aus unserem Blut in die Körperzellen gelangen und dort als Energie genutzt werden kann. Fehlt Insulin, steigt der Blutzuckerspiegel an. Menschen mit einem klinisch manifesten Typ-1-Diabetes benötigen deshalb eine lebenslange Insulintherapie.
In Deutschland leben etwa 37.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren mit Typ-1-Diabetes. Jährlich erkranken rund 4.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu.
Typ-1-Diabetes kann jedes Kind treffen
Etwa 90 % der Kinder, die an Typ-1-Diabetes erkranken, haben keine nahen Verwandten mit dieser Erkrankung. Die Früherkennung ist deshalb nicht nur für Familien relevant, in denen bereits ein Typ-1-Diabetes bekannt ist.
Kinder mit bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen, beispielsweise Zöliakie oder Hashimoto-Thyreoiditis, haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Bei ihnen kann eine gezielte Früherkennung daher besonders sinnvoll sein.
Wie entwickelt sich ein Typ-1-Diabetes – und warum ist eine Früherkennung möglich?
Typ-1-Diabetes entsteht in der Regel nicht von heute auf morgen. Häufig beginnt der Autoimmunprozess bereits Monate oder Jahre, bevor die ersten Beschwerden auftreten.
Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die verschiedenen Stadien der Erkrankung und zeigt, wie ein Typ-1-Diabetes bereits vor dem Auftreten erster Symptome erkannt werden kann.

Stadium 1: Die Erkrankung hat begonnen. Ihr Kind fühlt sich gesund.
Im Blut lassen sich mindestens zwei unterschiedliche sogenannte Inselautoantikörper nachweisen. Sie zeigen an, dass das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift.
Der Blutzucker ist noch normal. Ihr Kind hat keine Beschwerden und benötigt noch kein Insulin.
Stadium 2: Erste Veränderungen des Blutzuckers. Noch keine Beschwerden.
Die Insulinproduktion lässt allmählich nach. Erste Veränderungen des Blutzuckers lassen sich bereits im Labor feststellen, ohne dass Ihr Kind typische Diabetessymptome bemerkt.
Stadium 3: Der Diabetes wird klinisch manifest. Symptome treten auf.
Der Insulinmangel ist inzwischen so ausgeprägt, dass die diagnostischen Kriterien eines manifesten Diabetes erfüllt sind. Häufig treten jetzt typische Beschwerden wie starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust oder ausgeprägte Müdigkeit auf.
Spätestens jetzt ist eine Insulintherapie erforderlich.
Die Fr1da-Studie nutzt die Möglichkeit, diese Autoantikörper bereits vor dem Auftreten erster Beschwerden im Blut nachzuweisen.
Was bedeutet ein auffälliges oder ein unauffälliges Testergebnis?
Bisherige Untersuchungen im Rahmen der Fr1da-Studie zeigen, dass bei etwa 0,3 % der untersuchten Kinder – also bei ungefähr 3 von 1.000 Kindern – mehrere Inselautoantikörper nachgewiesen werden.
Auffälliges Testergebnis
Ein auffälliges Testergebnis bedeutet zunächst, dass weitere Untersuchungen notwendig sind.
Bestätigt sich der Nachweis mehrerer Inselautoantikörper, liegt bereits ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes vor – auch wenn Ihr Kind sich vollkommen gesund fühlt und sein Blutzucker noch normal ist.
Bei diesen Kindern ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie im weiteren Verlauf einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes entwickeln.
Wann dies geschieht, lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen. Bei manchen Kindern vergehen nur wenige Monate, bei anderen viele Jahre. Einzelne Betroffene entwickeln auch über sehr lange Beobachtungszeiträume keinen behandlungsbedürftigen Diabetes.
Ein bestätigtes Frühstadium bedeutet also nicht, dass Ihr Kind unmittelbar Insulin benötigt oder seinen Alltag verändern muss. Es bedeutet aber, dass eine Erkrankung erkannt wurde, deren weiterer Verlauf medizinisch begleitet werden sollte.
Unauffälliges Testergebnis
Ein unauffälliges Testergebnis bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung kein Frühstadium des Typ-1-Diabetes nachgewiesen wurde.
Es bedeutet jedoch nicht, dass Ihr Kind niemals an Typ-1-Diabetes erkranken kann.
Die entsprechenden Autoantikörper können sich auch erst nach der Untersuchung entwickeln. Zudem kann ein Typ-1-Diabetes in seltenen Fällen trotz zuvor unauffälliger Untersuchung auftreten.
Deshalb ist es wichtig, die typischen Warnzeichen eines Diabetes auch nach einem negativen Screening zu kennen.
Welche Vorteile bietet die Früherkennung?
Wird ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes festgestellt, können wir Ihr Kind bereits vor dem Auftreten erster Beschwerden gezielt begleiten.
Dazu gehören regelmäßige Kontrollen des Blutzuckers und eine ausführliche Beratung der Familie. Je nach Alter Ihres Kindes, Anzahl der nachgewiesenen Autoantikörper und Stadium der Erkrankung finden diese Untersuchungen in unterschiedlichen Abständen statt – beispielsweise alle drei Monate bis einmal jährlich.
Ziel ist es, Veränderungen des Blutzuckers frühzeitig zu erkennen und den Beginn einer notwendigen Insulintherapie gut vorzubereiten.
Ein wesentlicher Vorteil: Durch die Früherkennung und anschließende strukturierte Betreuung kann das Risiko einer diabetischen Ketoazidose deutlich reduziert werden. Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die bei einem bislang unerkannten Typ-1-Diabetes auftreten kann. Die frühe Diagnose gibt Familien außerdem die Möglichkeit, sich mit der Erkrankung vertraut zu machen und sich auf die möglicherweise bevorstehenden Veränderungen im Alltag vorzubereiten.
Neue Behandlungsmöglichkeiten: Den Ausbruch des Diabetes verzögern
Seit 2026 steht mit dem Wirkstoff Teplizumab (Handelsname Teizeild) erstmals ein in Deutschland zugelassenes Medikament zur Verfügung, das den Übergang vom Frühstadium in einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes verzögern kann.
Teplizumab greift gezielt in den Autoimmunprozess ein. In klinischen Studien konnte der Zeitpunkt bis zum Ausbruch der Erkrankung (Stadium 3) im Median um etwa drei Jahre hinausgezögert werden.
Wichtig zu wissen: Teplizumab ist aktuell ausschließlich für Kinder ab 8 Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2 zugelassen.
Die Behandlung erfolgt als intravenöse Infusion an 14 aufeinanderfolgenden Tagen unter spezialisierter medizinischer Betreuung.
Das Medikament kann die Erkrankung nicht heilen oder dauerhaft verhindern. Zudem kommt es nicht für jedes Kind mit positivem Screening infrage. Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und individuelle Voraussetzungen müssen sorgfältig abgewogen werden.
Früherkennung – eine ganz persönliche Entscheidung
Die Möglichkeit, eine Erkrankung bereits Jahre vor dem Auftreten erster Beschwerden zu erkennen, und den Ausbruch der Erkrankung durch neue Therapieansätze wie Teplizumab hinauszuzögern, ist ein bedeutender medizinischer Fortschritt. Gleichzeitig ist die Entscheidung für oder gegen ein Screening nicht für jede Familie gleichermaßen einfach.
Ein positives Testergebnis kann Sicherheit und wertvolle Zeit zur Vorbereitung geben. Es kann aber auch bedeuten, dass Eltern über Jahre mit dem Wissen leben, dass ihr bislang beschwerdefreies Kind bereits ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes hat, ohne zu wissen, wann die Erkrankung behandlungsbedürftig wird.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen können Sicherheit vermitteln, aber auch mit Sorgen, Unsicherheit und einer emotionalen Belastung verbunden sein.
Es gibt deshalb keine pauschal richtige oder falsche Entscheidung. Manche Familien möchten möglichst früh über eine mögliche Erkrankung ihres Kindes informiert sein. Andere entscheiden sich bewusst gegen eine Untersuchung, deren Ergebnis möglicherweise über Jahre keine unmittelbaren therapeutischen Konsequenzen hat.
Beide Haltungen respektieren wir. Wir möchten Ihnen die medizinischen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen und möglichen Belastungen der Früherkennung verständlich erläutern. Auf dieser Grundlage können Sie in Ruhe entscheiden, welcher Weg für Sie und Ihre Familie der richtige ist.
Sie haben das Recht auf Wissen – und ebenso das Recht, sich gegen dieses Wissen zu entscheiden.
Eine Teilnahme an der Fr1da-Studie ist selbstverständlich freiwillig.
Wie kann mein Kind an der Fr1da-Studie teilnehmen?
Die Früherkennungsuntersuchung kann bei Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren kostenlos in unserer Praxis durchgeführt werden.
Hierfür benötigen wir lediglich wenige Tropfen Blut, die wir durch einen kleinen Stich in den Finger gewinnen. Alternativ kann die Untersuchung mit einer ohnehin anstehenden Blutentnahme kombiniert werden.
Jedes Kind kann zweimal an der Fr1da-Studie teilnehmen, sofern bei der ersten Untersuchung kein Frühstadium des Typ-1-Diabetes festgestellt wurde. Zwischen den Untersuchungen müssen mindestens 12 Monate liegen.
Vor der Untersuchung besprechen wir mit Ihnen die Bedeutung und die möglichen Konsequenzen der Früherkennung. Erst danach entscheiden Sie, ob Sie Ihr Kind testen lassen möchten.
Ihre Ansprechpartnerin bei KiWa
Mit Priv.-Doz. Dr. Dr. med. Alena Welters steht Ihnen in unserer Praxis eine Kinderendokrinologin und -diabetologin sowie Diabetologin DDG zur Seite.
Sie berät Sie gerne persönlich zu den Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung, zur Bedeutung eines möglichen Testergebnisses und zu den weiteren medizinischen Schritten.
Unabhängig vom Screening: Diese vier Warnzeichen sollten alle Eltern kennen!
Ganz gleich, ob Sie sich für oder gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheiden: Die typischen Anzeichen eines Typ-1-Diabetes sollte jede Familie kennen.

1. Ständiger Durst
Ihr Kind trinkt plötzlich deutlich mehr als gewöhnlich, verlangt auch nachts nach Getränken oder hat auffällig starken Durst.
2. Häufiges Wasserlassen
Ihr Kind muss ungewöhnlich häufig zur Toilette, nässt nachts plötzlich wieder ein oder hat auffallend schwere, volle Windeln.
3. Ungewollter Gewichtsverlust
Ihr Kind verliert ohne erkennbaren Grund an Gewicht, obwohl es normal oder sogar mehr als gewöhnlich isst.
4. Ausgeprägte Müdigkeit
Ihr Kind wirkt ungewöhnlich müde, antriebslos oder erschöpft und ist weniger belastbar als sonst.
Bitte warten Sie bei diesen Symptomen nicht ab!
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Warnzeichen bei Ihrem Kind bemerken, sollte zeitnah – bei deutlichem Verdacht noch am selben Tag – eine Blutzuckermessung erfolgen.
Bei Erbrechen, Bauchschmerzen, auffällig tiefer oder schneller Atmung oder zunehmender Benommenheit ist eine sofortige notfallmedizinische Abklärung erforderlich.
Dies gilt ausdrücklich auch dann, wenn bei Ihrem Kind zuvor ein unauffälliges Diabetes-Screening durchgeführt wurde.
Sie möchten mehr erfahren?
Ausführliche Informationen zur Fr1da-Studie, zur Früherkennung des Typ-1-Diabetes und zum Ablauf der Untersuchung finden Sie auf der offiziellen Website der Studie.
